Ich bin eine Frau. Ich bin sogar ziemlich gerne eine Frau. Und nicht nur ziemlich gerne, ich würde sogar behaupten, dass ich durch und durch Frau bin. Ich habe auch noch nie gedacht “Ach, Scheiße, wärste doch lieber ‘n Kerl!” – wobei, das stimmt nicht ganz. Wenns um im Freien Pinkeln geht, dann hab ich mir insgeheim doch schon öfter mal einen Schwanz gewünscht. Aber das ist tatsächlich auch der einzige Moment, in dem ich so denke. In all den vielen anderen Momenten, da bin ich das, was man eine Vollblutfrau nennt. Und ich meine jetzt nicht all die Klischees und Schubladen, die so über Frauen existieren. Ich meine etwas, das man wahrscheinlich gar nicht gut in Worte fassen, als es doch eher fühlen kann. Wo wir beim Thema wären: fühlen. Es ist kein Klischee, es ist Fakt, dass Frauen gerne alles mal “durchfühlen” wollen. Erst wenn Frau es gefühlt hat, dann ist es (be-)greifbar. Frauen, die sich irgendwann die strammen Hosen ihrer oft älteren Brüder übergestreift und zu sich gesagt haben, ab heute nun wirklich kein mehr so jämmerlich emotionales Spiegelei sein zu wollen, sondern nur noch Logik und Rationalität walten zu lassen, die können das mitunter zwar ganz gut nach außen hin, aber nach innen – huiuiui! Je mehr man die Gefühle, die scheinbar ganz unkontrolliert und ungesteuert ihren Weg nach draußen (zum Adressaten) nehmen wollen, unterdrückt und ihnen den Kanal zusperrt, desto mehr Schaden nehmen sie in der Frau selber. Was dabei rauskommt? Nun ja, ihr wisst ja, was es heißt, wenn man von verbissenen Frauen spricht, deren Mimik härter als jeder Stahlbeton ist. Nein, ich gehöre zur Sorte: ich fühle, also bin ich. Und darauf bin ich auch gewissermaßen stolz. Denn meine Gefühle oder vielmehr meine Art, sie ausdrücken zu können, machen mich erst authentisch.

Wir Frauen sollen heutzutage wieder sehr viel sein/können/müssen/dürfen. Während sich meine Mutter (zugegeben und mein Vater – er ist die größte Emanze von Allen gewesen, vorneweg in seiner lila Latzhose!) noch mit aller Kraft dagegen wehrte, irgendeinem Frauenbild entsprechen zu müssen, hat irgendwer gedacht, es sei dann doch mal wieder an der Zeit, Frauen hübsch zurecht gemacht in eine Rolle zu verfrachten. Gut, so ganz gehirnamputiert ist das aus rein ökonomischer Sicht gesehen natürlich nicht, denn niemand anderes als die Werbe- und marketingagenturen unserer westlichen Welt, benutzen Frau wieder nur allzu gerne, um das etwas modifizierte, aber doch klassische Rollenbild als Verkaufsstrategie an den Mann/an die Frau zu bringen. Ich gebe zu, dass ich mich davon nicht konsequent entsagen kann, dass ich – gerade, wenn es um Kosmetik geht – sogar voll drauf einsteige. Lange Zeit habe ich nichts von Makeup & Co wissen wollen. Das hat sich in den letzten Jahren grundlgegend geändert. Ungeschminkt verlasse ich eher selten das Haus. Aber genau das entscheide ich jedes Mal aufs Neue selbst. Klar, ich habe herausgefunden, dass Concealer meine dunklen Augenringe abdeckt und Rouge mich frischer aussehen, also alles in allem, dass Makeup mich hübscher aussehen lässt, als noMakeup. Aber darf ich mich nicht selber hübsch finden? Muss hinter jedem Pinselstrich in meinem Gesicht ein Mann stehen, für genau den ich das tue? Käse! Und ich glaube, dass genau das das Dilemma ist. Das Bild einer Emanze ist zur Zeit der Neuen Deutschen Frauenbewegung geprägt worden. Diese Revolution liegt knapp 50 Jahre hinter uns. Das heutige Bild einer Emanze – ich störe mich alleine an der Begrifflichkeit – kann also gar nicht dem Bild von damals entsprechen. Was dazu führt, dass Frauen aufgefordert sind, ein neues Bild zu kreieren. Nicht einer Emanze, sondern einer selbstbewussten, selbstbestimmten Frau. Einer Frau, die sich nicht anmaßt, für alle Frauen der Welt Fürsprache halten zu wollen (oder schlimmer noch: sich einzubilden, es zu können), einer Frau, die ihre Entscheidungen nicht davon abhängig macht, dass sie damit gegen etwas ist (also meist gegen den Mann), einer Frau, die für sich, ihr Leben und ihr soziales Umfeld frei entscheiden kann, einer Frau, die mittwochs gerne mal in Jogger und mit Bier in der Hand die Champions League guckt und am Wochenende mit ihrer Freundin Prosecco schlürft. Die Welt ist mit ihren zahlreichen Möglichkeiten so bunt geworden, dass eine Widerstandsbewegung wie 1968, schlichtweg so gar nicht mehr möglich ist. Wenn die Wirtschaft mit dem klassischen Rollenbild der Frau Erfolg hat, dann hat das in meinen Augen weniger mit Diskriminierung zutun. Denn seien wir doch mal ehrlich. In den Agenturen sitzen nicht ausschließlich nur Männer. Die andere Hälfte ist von Frauen besetzt. Und die wissen sehr genau, wie sie Produkte vermarkten müssen, damit Frau sie haben will. Was für mich an der heutigen Emanzipation oft den Haken ausmacht, sind die Frauen, die ihr Sichtfeld insofern einschränken, als dass sie nicht erkennen können, dass es nicht darum geht, ein einziges Frauenbild zu etablieren. Vielmehr gehört für mich zum Frausein dazu, sich entscheiden zu dürfen. Immer wieder neu. Immer wieder anders. Frau zu sein, bedeutet nicht, einen Vertrag unterschrieben zu haben.

Ich bin gerne eine Frau. Eine Frau, die alles darf, die alles kann, wenn sie will. Aber ich stelle mich nicht im Vergleich zu meinen männlichen Kollegen oder Freunden unter Druck, etwas besser oder schneller erreichen zu müssen. Ich bin gerne eine Frau, weil ich ganz freiheitlich entscheiden kann, welchen Weg ich in meinem Leben einschlagen möchte.

Heute plädiere ich dafür, dass Frauen sich dem aktuellen Druck entledigen, sich selbst zu stigmatisieren. Ich muss nicht einer Frauenbewegung angehören, um zu wissen, was richtig und wichtig ist. Seid und bleibt bei euch selbst. Seid so, wie ihr sein wollt, dann seid ihr die beste Version von Euch und von einer Frau. In diesem Sinne: auf die Frauen!

One Thought on “Auf die Frauen! ♀

  1. Jan on 26. Juli 2017 at 17:19 said:

    Oh ja, das bist du! 😉 Verdammt, wieso kam ich damals zu spät? 😛

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Post Navigation