Jeder wünscht ihn sich; von seinem Gegenüber, seinem Nachbarn, seinem Kollegen, dem Busfahrer, der Kassiererin im Supermarkt etc. Respekt. Was Höflichkeitsfloskeln oder der Knigge für die reale Begegnung regeln, soll in der medialen Kommunikation die Netiquette/Chatiquette richten. Keine Beleidigung, keine Diffamierung, kein Bloßstellen. Doch in Zeiten unbegrenzter Kommunikationsmöglichkeiten lässt genau das immer häufiger zu wünschen übrig. Egal, ob auf Social Media Plattformen, wie Facebook, Instagram & Co oder News-Websites mit Kommentarfunktion, überall wird übereinander hergezogen, gehetzt und beleidigt. Häufig findet das in einem solchen Ausmaß an “unter-der-Gürtellinie” statt, dass ich mich mittlerweile dazu entschieden habe, auf bestimmten Websites keine Kommentare mehr zu lesen, geschweige denn selbst einen zu schreiben. Dabei habe ich auf Grund des Inhalts eines Artikels oder eines Posts, den ich gerade gelesen habe, oft den ersten Impuls, mich in einem Kommentar damit auseinanderzusetzen. Read More →

Weihnachten – schon wieder vorbei. Die Adventszeit ist durch die extrem arbeitsreiche erste Dezemberhälfte mehr oder weniger an mir vorbeigezogen. Diese weihnachtliche „Ouvertüre“ genieße ich normalerweise bis ins kleinste Detail. Dieses Jahr blieb dafür kaum Zeit. Die Weihnachtsfeiertage gingen nicht nur um wie im Nu, sie ähnelten – bleiben wir beim musikalischen Vergleich – einem Stück aus Schönbergs Feder. Mindestens 12tönig. Jegliche Harmonien waren vertreten und ließen mir wenig Raum, die erwähnte arbeitsreiche Zeit zuvor auszugleichen.  Read More →

9. November 1989 – 25 Jahre her. Damals war ich gerade 7 Jahre alt. Als im Westen Berlins lebendes Kind bekam ich nicht wirklich viel mit, was auf der anderen Seite der Mauer geschah. Normal erschienen die Grenzüberquerungen, meine Eltern machten nie einen sonderlich großen Bohei daraus, jedenfalls kann ich mich rückblickend nicht an eine übermäßig aufregende Situation erinnern. Sie berichten darüber heute allerdings teilweise anders. Am Abend vor dem 9. November ’89 herrschte eine merkwürdige Stimmung. Man muss dazu wissen, dass mein Bruder und ich damals noch zur Waldorfschule – nahe des Checkpoint Charlie – gingen, dies bedeutete, dass das einzige Fernsehgerät in unserem Haus im Schlafzimmer meiner Eltern stand. Und dieses Gerät wurde gefühlt nie angestellt. Ich bekam mit, dass meine Eltern sich irgendwie anders verhielten, als sonst. Sie tuschelten. Das taten sie nie. Read More →

Es ist ziemlich schnell Herbst geworden da draußen. Heute ist allerdings so ein Tag, an dem man schneller den Eindruck gewinnt, dass es Frühling wird, als dass nun die kalte Jahreszeit anbricht. Novemberanfang und das Thermometer zeigt milde 20 Grad an. Nichtsdestotrotz hält der Herbst Einzug in unsere Welt: die Indian Summer gefärbten Blätter fallen von den Bäumen, das Strickwarengeschäft boomt, die weihnachtlichen Vorankündigungen sind nicht mehr ganz so subtil und der Journalismus setzt sich mit bedeutungsschwangeren, gesellschaftsimmanenten Thematiken auseinander. Es ist noch gar nicht so lange her, da erlag ich zu dieser Jahreszeit regelmäßig dem Zwang, mir diese bedeutungsschwangeren und gesellschaftsimmanenten Thematiken zu eigen zu machen, wie eine Schablone auf mein kleines Leben zu schieben und immer wieder festzustellen, dass es an allen Ecken und Enden nicht zum glücklich sein ausreichte. Warum ich das streckenweise in stoischer, und an z.T. nahe der inneren Selbstzerstörung grenzenden Perfektion betrieben habe, war mir lange Zeit ein Rätsel. Read More →