Es ist nun knapp einen Monat her, am 30.01.2015, da hat Aimo Brookmann sein lang angekündigtes, sechstes Albumrelease “Schneckenhauseffekt” im Rahmen eines kleinen Unplugged-Konzerts mit ausgewählten Gästen im Berliner Culture Container am Ostbahnhof vorgestellt und gefeiert. Trotz durch einen grippalen Infekt angeschlagener Stimme hat Aimo seinen Fans, die von überall aus Deutschland anreisten, nicht zu viel versprochen und mit seiner Live-Band eine Auswahl an Songs vom neuen Album performt. Für die meisten im Publikum war es die Premiere, einige wenige hatten via Amazon schon am Abend zuvor ihre bestellten Alben erhalten und reinhören können. Ich hatte mir ebenfalls auf der Zugfahrt von Braunschweig nach Berlin bereits einen kleinen Eindruck verschaffen und meinen Favoriten beim ersten Durchhören ausmachen können.

Aimo Brookmann at Culture Container, BerlinEins wurde mir dennoch sofort klar: dieses Album ist vom Künstler keineswegs darauf angelegt, es “einfach so nebenbei” dudeln zu lassen. Denn für nur so nebenbei Mainstream-Mucke eignet sich Aimos Album absolut nicht und soll es auch gar nicht. Dem Hörer wird schnell deutlich, dass er sich mit auf Aimos Reise nach sich selbst, seinen Ängsten, seinen Wünschen und Lebenskonzepten begeben muss, um das, was “Schneckenhauseffekt” so einzigartig und wunderbar macht, zu begreifen. Was am Ende dabei herauskommt ist – für mich gesprochen – ein impressionistisch gemaltes Bild von Aimo Brookmann selbst. Er zögert in seinen Songs nicht davor, sich nackt zu machen, jedem, der bereit dazu ist, einen Blick in sein Seelenleben zu gewähren. Je öfter ich das Album, insbesondere “Der Weg”, “Wintertag” und “Zieh mich zurück” höre und mich auf Aimos in Musik übersetzte Empfindungen einlasse, bin ich fasziniert von dem Mut und der Offenheit, mit der er mit seinem Album nicht nur einfach seine Musik, sondern ein Stück sich selbst hergibt.

Was an der Gesamtkonzeption des Werkes neu ist, ist dass Aimo gänzlich auf vorproduzierte Beats verzichtet. Dafür hat er in Timo Krämer seinen Meister für ein instrumental starkes und eindringliches Klangbild gefunden. So findet sich beispielsweise das puristische Piano in “Wintertag” im impressionistischen Bild Aimos Wörter wieder, gibt ihm einen zerbrechlichen Rahmen, so unvorhergesehen, so multiharmoniell. Auch in “Antirapper” ist das Piano, das mich stellenweise an Nocturnen  à la Chopin oder Debussy erinnert, harmoniegebende Kraft. Musikalisch stark ist auch der Einsatz zunächst widersprüchlich zueinander stehender Streicher mit an Rammstein erinnernde E-und Bass-Gitarren. Mein Favorit “Schon okay” zeichnet sich hingegen durch Aimos mal zurückgenommen, fast entschuldigende, mal eindringliche und verzweifelte Stimmfarbe gepaart mit Lyrics, deren Inhalt mich gleich beim ersten Hören gepackt haben, aus. “Katastrophe Notwehr” ist ein Song, der bei mir erst beim wiederholten Male “klick” gemacht hat. Titeldeutungen basieren auf werteeigenen Triggern. So hatte ich für den Song mit seiner unfassbar grandiosen Aussage zunächst nicht so richtig ein Ohr. Das änderte sich schlagartig, als mir bewusst wurde, worum es Aimo mit diesem Track geht.

“Schneckenhauseffekt” funktioniert im Ganzen. Es erzählt eine Geschichte, Aimos Geschichte und der rote Faden zieht sich durch das gesamte Werk. Von Zweifeln, Ängsten, Depressionen (“Angst”), Loslösungsprozessen, Umbrüchen, Veränderungen (“Schneckenhauseffekt”) und schließlicher Erkenntnis (“Musik statt Beats”), dem Hörer wird am Ende bewusst, warum Aimo lieber ein “Antirapper” sein will und was für ihn und sein Leben der “Schneckenhauseffekt” bedeutet. Nie ganz ab vom Kurs und doch etwas anders geartet kommt dabei “Himmelsrichtung Westen” daher. In dem countrylastigen Song, für den sich Aimo – nicht gerade unpassenderweise – Alt-Countrysänger Gunter Gabriel an Bord geholt hat, verarbeitet Aimo seinen “klein-Jungen-Traum”, irgendwann einmal Cowboy zu werden und überträgt ihn in seine heutige Realität. In “Eindrücke” berichtet Aimo über vermeintliche Schicksale von Menschen, die er im Vorbeigehen beobachtet. Was mir daran so gut gefällt, ist sein Umgang mit Stereotypen, mit Vorurteilsbehaftung und daraus resultierender Verurteilung. Aimo, der sich als Mensch selbst eher als zurückhaltend und defensiv beschreibt, schlüpft in die Rolle des Beobachters, keinesfalls plump, sondern in der Tiefe wieder vollkommen authentisch.

Und Authentizität ist überhaupt ein Stichwort, das bei allen Songs des “Schneckenhauseffekts” rahmengebend mitschwingt. Der Gefahr, dass man bei der musikalischen Verarbeitung von Emotionen selber nur stereotype, am Band produzierte Balladen über den Sinn des Lebens hervorbringt, setzt Aimo seine Glaubwürdigkeit entgegen. Ob er nun über den Verlust eines geliebten Menschen rappt oder gar ein Lied für sein noch ungeborenes Wunschkind schreibt, man nimmt ihm jedes einzelne Wort ab. Nicht zuletzt diese Wahrhaftigkeit macht das erste veröffentlichte Album unter seinem bürgerlichen Namen Aimo Brookmann so hörens- und liebenswert.

Wer “Schneckenhauseffekt” noch nicht seins nennen kann, hat jetzt die Möglichkeit, es hier zu gewinnen. Zusammen mit mein Label verlosen wir 3 CDs.

Die Teilnahmebedingungen lauten:

  1. Werde Fan von Aimo Brookmann und Metakognitiva auf Facebook.
  2. Hinterlasse in den Kommentaren, welcher Song der persönliche Soundtrack Deines Lebens ist.
  3. Die Gewinner werden per Mail benachrichtigt, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
  4. Teilnahmeschluss ist der 6. März 2015. Die Gewinner werden auf Facebook bekanntgegeben.

Viel Spaß!

Schneckenhauseffekt Standard Edition bei Amazon
Schneckenhauseffekt iTunes Edition

7 Thoughts on “Der Schneckenhauseffekt Review + Gewinnspiel

  1. Angst ist das best lied von Aimo

  2. Halt mich das lied ist das beste auf dem Album von Aimo Brookmann

  3. Denise on 25. Februar 2015 at 12:45 said:

    Also persönlicher Soundtrack meines Lebens ist definitiv cleaning outro my closet von eminem aber viele sehr viele Lieder von Aimo haben meine Pupertät geprägt und haben mich in mein Erwachsenenalter begleitet.
    Endgültig und Flut gehören zu meinen lieblingsstücken von ihm.

    Liebste grüße Denise
    P.S. Seiten sind geliked.
    Aimos eh schon lange.

  4. Dennis on 25. Februar 2015 at 14:22 said:

    A im O ist das beste Lied auf dem Album finde ich!
    Mein Soundtrack ist “Schließ die Augen” von Taichi / Aimo!

    MfG
    Dennis

  5. Florian Herrmann on 25. Februar 2015 at 19:40 said:

    “Der Weg” und “Schon okay” sind die besten des Albums! Aber jedes einzelne Lied ist ein Überflieger! Weiter so Aimo!!!

  6. Kevin wolff on 2. März 2015 at 19:33 said:

    Ganz klar “schon okay ” :))

  7. Meine Lieblingslieder sind “Schon ok” und “Zieh mich zurück”.
    Als persönlicher Soundtrack würde ich aber wohl eher “Eindrücke” wählen…
    Lieben Gruß 🙂

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