Fotografie: Philip Rohrbeck

Fotografie: Philip Rohrbeck

Jahresendzeitstress. Davon kann Aimo Brookmann mit Blick auf die vergangenen Wochen ein Lied singen. Aber entgegen eines allseits bekannten Sprichwortes, verschiebt er das restliche „sich krass auftürmende Etwas“ auf das neue Jahr und flieht dafür in die Sonne. Ziel: Indonesien. Trotz Reisevorbereitungen, einem neuen Video-Release zu seinem Titeltrack „Schneckenhauseffekt“ und anderer unaufschiebbarer Aufgaben, hat sich Aimo vor seiner Abreise die Zeit und Muße für ein sehr ehrliches und nahes Interview genommen.

„30. Januar 2015 – drei Schlagworte, die Dir spontan dazu einfallen?“

„Geburtstag, Album natürlich und hoffentlich ne fette Releaseparty!“

„In Deinem Video „Antirapper“ sieht man eine Person unter Wasser. Nach und nach fängt diese Person an, sich unter Wasser anzuziehen. Dem Betrachter wird schnell klar, dass es sich dabei um Taichi handelt. Fertig angezogen, taucht er auf. Du hockst gerade am Ufer und erfrischst dich. Taichi versucht Dich, Aimo, unter Wasser zu ziehen. Du wehrst ihn mit aller Kraft ab, rettest damit Dich, ihn aber nicht und Taichi ertrinkt.“

„Das hast du richtig krass super zusammengefasst, ja.“

„Inwiefern lässt sich die Dramaturgie dieser Szene auf den Prozess, nicht mehr Taichi zu sein, übertragen? Fiel Dir diese Entscheidung leicht?“

„Diese Entscheidung fällt mir bis heute nicht leicht. Ich muss auch immer wieder darüber nachdenken, ob es die richtige Entscheidung war, aber im Endeffekt hab ich sie gefällt. Bezogen auf diesen Prozess, den man im Video sieht, muss man sagen, dass es in dem Song erst mal nur um meine Beziehung zu Rap geht, wie die sich über die Jahre verändert hat. Ich fand es ganz spannend, im Video anhand meines alten Künstlernamens Taichi zu verbildlichen, wovon ich mich gelöst habe und das eben auch zu dramatisieren. Das ist natürlich schon Realtalk. Man kann dabei von einem Kampf sprechen. Ich meine, der Name begleitet mich seit mehr als 10 Jahren. Und unter alles, wofür dieser Name steht, war es für mich nötig, mal einen Strich zu ziehen und einen Neustart mit der Musik zu machen, die ich jetzt gerne machen möchte. Und die passt einfach nicht mehr zu dem, wofür mein alter Name steht.“

„Wieviel Aimo steckte denn in Taichi und wieviel Taichi steckt in Aimo?“

„Eieiei. Naja, es ist so, dass ich schon immer sehr reale Musik, sehr ehrliche und emotionale Songs gemacht habe. Und genau diese Essenz hab ich aufs Nötigste komprimiert und alles andere weggelassen. Es wird keinen Battlerap oder keine belanglosen Songs mehr geben. Ich werde unter meinem bürgerlichen Namen nur noch gute Musik machen, so, wie ich sie jetzt gut finde. Das ist natürlich immer schwierig zu sagen. Vor acht Jahren fand ich es anders gut, aber diese ehrliche Komponente war immer schon da, seitdem ich angefangen habe, Musik zu machen. Und das ist das, was ich auch gerne weitermachen möchte. Aber um deine gut gestellte Frage noch etwas anders zu beantworten (überlegt): es war schon immer sehr viel Aimo in Taichi, andersrum ist aber nicht mehr ganz so viel Taichi in Aimo. Kann man das so sagen? (lacht)“

„Absolut. Ich finde, daran schließt im Grunde auch die Frage nach dem Titel deines angekündigten Albums an, bzw. die Frage danach zu stellen, ob Taichi in einem Schneckenhaus gelebt hat?“

„Ja, aber das trifft auf uns beide zu. Also sowohl auf meinen Künstlernamen als auch auf mich, persönlich, privat, wie auch immer. In den letzten Jahren habe ich mich musikalisch auf jeden Fall immer mehr zurückgezogen und bin dadurch in eine Art musikalischen Stillstand geraten, in dem einfach nichts mehr passiert ist. Und ganz klar, wenn du nichts machst, passiert auch nichts. Keine Aktion, keine Reaktion. Das Album beschreibt diesen Zustand und den Wunsch nach der Kraft, um da auszubrechen. Das ist jetzt nicht der komplette Ausbruch, aber auf jeden Fall der Prozess dieses Stillstands und der Wunsch nach dem Weg aus diesem Stillstand heraus, den dieses Album in den Songs ganz gut widerspiegelt.“

„Also können die Fans darauf hoffen, dass der komplette Ausbruch noch kommt und Aimo nach „Schneckenhauseffekt“ dieses Schneckenhaus komplett abgelegt hat und musikalisch da angekommen ist, wo er gerne hin möchte?“

„Das ist sehr schwierig zu sagen. Es gehört natürlich zu meiner Persönlichkeit. Ich bin ja auch eher introvertiert und ein nachdenklicher Typ und ich werde mir in meinem Leben immer auch ein wenig Schneckenhaus bewahren, weil es natürlich positive Seiten haben kann. Diese negativen Seiten des Stillstands und der Stagnation, die sind gefährlich. Das grenzt schnell an eine Depression und an schwarze Löcher und es ist ein sehr schmaler Grat, auf dem man sich bestenfalls bewegt zwischen nach vorne gehen, Sachen machen, aber auch zwischen Ruhephasen, Nachdenken, Selbstreflektion. Ich bin da auf einem guten Weg, es wird aber nie eine komplette Persönlichkeitswandlung geben. Dafür bin ich Realist genug.“

„Danke für diese ehrliche Antwort. Themenwechsel. Auf deiner Facebook-Seite hast Du unter einem Fanbeitrag kommentiert, dass 2015 auch Live-Auftritte geplant sind. Wirst du deutschlandweit auf Tour gehen?“

„Wir setzen das Album gerade live mit einer Band um, da sind wir gerade in der Probenphase. Ich arbeite darauf hin, das gesamte Album auf einem Release-Konzert mit dieser Band zu spielen und je nachdem, wie die Resonanz ist, generell, wie sich das alles mit dem Album entwickelt, plane ich natürlich auch eine kleine Tour zu spielen. Ob als Support oder eine eigene kleine Tour, das steht jetzt noch nicht fest, aber der Wille ist da.“

„Das neue Jahr steht unmittelbar bevor. Zeit, einen Rückblick zu wagen. Was sind deine persönlichen Highlights in diesem Jahr?“

„Boah. (überlegt) Das ist eine gute Frage. Ein Highlight ist auf jeden Fall, dass jetzt endlich dieses Album fertig ist. Ich arbeite zusammen mit Timo Krämer jetzt seit 2012 und das war ein relativ langwieriger und teilweise natürlich auch sehr nervenaufreibender und anstrengender Prozess, und ich freue mich, dass ich jetzt endlich einen Strich drunter machen kann und dass das Album fertig ist. Ob ich das in dem Maße noch mal machen möchte, das weiß ich gar nicht, aber das ist auf jeden Fall mein Highlight.“

„Was wünscht du dir für 2015?“

„Für 2015 wünsche ich mir, dass ich genauso weitermachen kann, wie jetzt, mit coolen Projekten, davon leben und Spaß an dem zu haben, was ich tue. Sei es Musik, oder auch nicht Musik, ich mache ja auch noch viele andere Sachen, die viel Spaß machen und ich hoffe, das bleibt so.“

„Wir sind schon fast am Ende angekommen. Möchtest du den Bloglesern zum Schluss noch etwas mit auf den Weg geben?“

„(lacht) Kann man so einen Blog abonnieren? Wenn man das kann, dann macht das alle! Sarah ist super und ich wünsche dir viel Erfolg mit deinem Blog. Vielen Dank für das Interview.“

„Ich danke dir, Aimo. Mega.“

⇒#click2follow #aimoonline⇐

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Fotografie: Alexander Rentsch

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