Es soll Menschen geben, die machen das ihr ganzes Leben lang. “Ich hätte”, “ich könnte” oder am liebsten – mit viel Vorsprung der absolute Spitzenreiter -“ich würde”. Zugegeben, es gibt Phasen, da gönne ich mir auch mal ein klein bisschen Konjunktiv und greife beherzt in die Dose der “Vielleicht-Kekse”. Aber seien wir doch mal ehrlich, was bringt uns das?Von einem Leben zu träumen, das man vielleicht eventuell irgendwann mal leben will, ist verschwenderisch. Ja gut, Träume soll der Mensch haben, und nicht jeder davon muss auf Anhieb realisierbar sein. Aber das meine ich auch gar nicht.

Ich denke an jene Menschen, denen du ihre tiefe Unzufriedenheit auf 3km Entfernung schon ansiehst. Es gibt Tage, da mache ich einen Riesenbogen um diese Spezies, weil ich die Verschwendung nicht ertrage. An anderen steuere ich direkt auf sie zu, immer mit der Absicht, ihnen einen kräftigen Tritt in den Arsch zu verpassen. Und dann geht’s los mit dem Konjunktivlavieren: “Wenn ich nicht…, dann würde ich ja.” Die Frage, was dagegen spricht, bringt die meisten voll aus der Fassung. Weil ich ihnen damit etwas unter die Nase reibe, was sie während der restlichen Zeit in Perfektion versuchen, vor sich selbst zu verbergen. Faulheit. Reinste, ausgegorene Faulheit. Das schlimmste daran ist nicht die Faulheit. Bei Gott, ich bin kein Mensch, dem man übertriebene Quirligkeit attestieren würde. Nein, das Schlimmste daran ist eben, dass solche Menschen Faulheit unter dem Deckmantel anderer, vorgeschobener Umstände verstecken, nur um irgendetwas nicht zutun. Die wahren Könner auf dem Gebiet sind die, die darauf noch eine Schippe Selbstwertbetrug drauflegen. Das sind nämlich die, die nach dem “…dann würde ich ja.” noch ein “…, aber ich schaffe das ja sowieso nicht.” dranhängen. Klassiker.

Bikinifigur in 6 Wochen. Wenn ich an mir herunterschaue, dann ist bei mir ganz offensichtlich Weihnachten noch in vollem Gange. Ostern sowieso. Ich klicke mich also durch meine Facebook-Timeline und Dank vieler meiner sportlichen Freunde poppt hier und da immer mal wieder so eine gesponserte “Faste-dich-fit”-Anzeige auf. Noch mehr Einfluss nehmen natürlich die Postings direkter Bekannter, die über einschlägige Fitness-Apps, wie z.B. “runtastic” fröhlich in die Welt rufen, wie viele Höhenmeter sie in den letzten 30 Minuten gemacht haben. So viel zur Ausgangssituation. Wenn ich jetzt also so einem Konjunktivisten begegne, schlägt mir mit leiderfüllter Stimme jener erster Satz entgegen: “Ich würde mich ja wirklich im Gym anmelden, aber ich hab echt gar keine Zeit”. Gefolgt von nicht minder tragischem Pathos auf den Stimmbändern: ” Ich fühle mich so unwohl in meiner Haut.” Bitte?! Ganz im Ernst, hört endlich auf, eure und meine Zeit zu verschwenden! Wenn ich eine Bikinifigur will, dann trainiere ich dafür. Bin ich mit der Weihnachtsmenükarte auf meinen Hüften zufrieden, lass ich es bleiben. Will ich, dass das Glas immer halbleer ist, dann bleibt das auch so. Alles eine Frage der inneren Einstellung und mitunter auch der Frustrationstoleranz. Was eben nur so gar nicht hilfreich ist und zudem unendlich nervt, ist das gleichzeitige Hochhalten persönlicher Ideale und der eigenen Faulheit im Verstecktmodus.

Kästner, mein alter Kindheitsheld hat schon gesagt: ” Es gibt nicht Gutes, außer man tut es.” In diesem Sinne, ich tue jetzt etwas gegen die Weihnachtsgans.

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