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Die „Braunschweiger Köpfe“-Reihe startet mit einem Menschen, der für mich persönlich wohl zu einer der Schlüsselpersonen in meinem Braunschweiger Leben zählt, aber diese Geschichte möchte ich Euch an dieser Stelle gar nicht erzählen. Vielmehr geht es um ihn und um das, was ihn ausmacht, um das, was er seit langer Zeit (erfolgreich) tut. Es geht um Marc Hausen.

Ich habe Marc in seinen Büroräumen am Kohlmarkt aufgesucht. Benachbart zu seinem Shop „Boardjunkies“, ganz oben, im vierten Stock, direkt unter dem Dach befindet sich die Schaltzentrale des beliebtesten Skateshops in Braunschweig. Wenn man hineinkommt, stellt man schnell fest, dass die Verantwortlichen, allen voran Marc, nicht abgehoben sind, obgleich ihn der Hype um Boards, Apparel & Co durchaus den gewünschten Erfolg gebracht hat. Das war Gott weiß nicht immer so, vielleicht ein Indiz dafür, dass hier schon im Eingangsbereich der Büros klar wird, dass man bodenständig und fokussiert geblieben ist. Das Büro des Skatevereins SC Walhalla befindet sich ebenfalls unter dem Dach. Das liegt quasi auf der Hand, hat Marc doch zusammen mit sechs Freunden 1992 im Keller seiner Eltern in Wolfenbüttel den Verein gegründet. Marc nimmt mich in Empfang, er sieht etwas mitgenommen aus, das sage ich ihm natürlich nicht. Aber es dauert auch nicht lange, bis er sein etwas verballertes Erscheinungsbild aufzuklären versucht. Es ist Donnerstag, und das bedeutet nicht nur, dass gestern Mittwoch war, das bedeutet vor allem, dass gestern der allmittwochlich stattfindende „Boards only“-Abend in der Walhalla war. Da kann es leicht zu ein paar Bieren kommen und dann sieht man tags drauf manches Mal nicht ganz so frisch aus wie sonst. Die Erfahrung hab ich selber auch schon gemacht, daher schenke ich Marc nach seiner Erklärung ein großzügig empathisches und mitfühlendes Lächeln. Geteiltes Leid und so. Ausserdem habe er sich heute schon jede Menge geärgert, sagt er. Über gestern zu reden würde ihm viel besser gefallen, das war nämlich ein schöner Tag. Er entschuldigt sich für den fehlenden Kaffee, bietet mir einen Schluck aus seiner eigenen Wasserflasche an und bittet mich, das Blätterchaos auf seinem Büroboden zu übersehen. Wir setzen uns an seinen Besprechungstisch und er schaut mich etwas müde, aber erwartungsvoll an.

«START RECORDING»

„Ich hab auf Deiner Facebook-Seite gelesen, Du warst in Amsterdam?“

„Ja, ich war in Amsterdam aufm Soletec Meeting. Soletec ist die Oberfirma, unter der Firmen wie éS, Emerica, etnies, ThirtyTwo und Altamont Apparel vertrieben werden. éS wurde ja eingestampft und jetzt neu aufgelegt und wir haben die erste Kollektion präsentiert bekommen. Wir, das sind die ganzen Vertriebe aus Europa, die haben sich da getroffen und ich bin ja für einen Vertrieb aus Süddeutschland als Vertreter unterwegs für Emerica und éS unter anderem und da wurden uns die neuen Kollektionen gezeigt und darüber gesprochen, wie geil die Sachen sind, was tatsächlich stimmt. Das war super, das hat richtig Spaß gemacht, weil die Jungs einfach alle total euphorisch waren und total glücklich mit dem, was sie da gemacht haben, und die haben auch ein neues Team zusammengestellt. Da war voll die Energie.“

„Das sind ja zwei unterschiedliche Jobs, die Du da machst. Wie differenziert sich das voneinander?“

„Na, das eine ist der Laden hier. Das ist ja das, was die Leute eigentlich, wenn man was von mir weiß, wissen. Das ist ja der klassische Einzelhandel, einkaufen, verkaufen, im Idealfall ein Gewinn erwirtschaften und den mit den Angestellten teilen und den Rest selber nehmen oder zur Seite legen für schlechte Zeiten, wenn’s mal wieder nicht so gut läuft. (lacht) Und das andere ist eben, dass ich in Nord- und Ostdeutschland unterwegs bin und für ein paar Firmen, u.a. éS, Emerica und Fallen als Skateschuhe, aber auch noch Brixton und Polar unterwegs bin. Und da mach ich Termine mit diversen Läden aus unterschiedlichen Branchen und führ denen dann die Sachen vor und die kaufen die im Idealfall bei mir dann ein. Ein halbes Jahr später kriegen die das dann i.d.R. ausgeliefert und dann krieg ich eine Provision für alles, was ich verkauft habe. Und dann ist es natürlich schön, wenn man dann noch Produkte hat, hinter denen man selber steht, das ist das A&O. Das ist im Einzelhandel auch nicht anders. Wenn du Sachen verkaufst, die du scheisse findest, dann kann man’s eigentlich auch sein lassen.“

„Und du fährst dann da hin, weil schon Interesse bekundet wurde im Vorfeld oder ist das schon auch manchmal Türklinkenputzerei?“

„Das ist auch manchmal Türklinkenputzen, aber mit den meisten Händlern hatte ich schon irgend einen Kontakt, es sei denn, es ist ein neuer Laden oder ein Laden, der sich vom Sortiment geändert hat oder dann doch mal Interesse an meinen Marken bekundet hat. Mit den meisten mache ich einen Termin und fahre da nicht einfach auf gut Glück hin. Ich rufe an und sag: „Hey Ingo, wie sieht’s denn aus? Kann ich mit der neuen Emerica Kollektion bei dir vorbeikommen. – Ja, haste Brixton auch dabei? – Jo. – Guck,  ich mir beides an, möchte ich haben, hab ich schon gesehen, haste mir ja schon einen Link zum neuen Katalog vor 2-3 Tagen per Email geschickt“. Und dann geht’s los.“

„Deinen Shop betreibst du schon sehr viel länger. Wie kam es dazu, dass du als Vertreter auf Touren gehst?“

„Das ist eigentlich aus der Not heraus entstanden, Geld zu verdienen, weil es mit dem Laden natürlich nicht schon immer so gut lief. Und da wollte ich mir irgendwann ein zweites Standbein aufbauen. Das haben auch mehrere aus der Branche so schon gemacht. Mittlerweile ist es finanziell nicht mehr notwendig, dass ich das mache, aber es ist natürlich so, dass es mir die Augen öffnet und du deinen Horizont erweiterst. Wenn ich die ganze Zeit nur bei mir im Laden stehen würde, wäre ich völlig betriebsblind. Und so sehe ich in anderen Läden ‚das ist ne geile Warenpräsentation‘, ‚oh, die Produkte der Firma XY sehen ja super aus‘. Die siehst du dann in anderen 5-8 Läden und dann denkst du dir natürlich ‚okay, vielleicht ist das ja mal ein Label, worüber du mal nachdenken könntest‘.”

„Ich finde, das hat man in den letzten paar Jahren auch gemerkt. Ihr habt euch labelmäßig immer weiter entwickelt. Nun steht ein großes Ereignis unmittelbar bevor: ihr werdet 15 Jahre alt!“

„Yippieh!“

„Oftmals sind die Kinder und Jugendlichen, die in deinen Laden kommen, noch nicht oder gerade mal so alt. Es gibt Themen, da wollen sich Jugendliche extra von den Erwachsenen absondern. In Sachen Skaten rennen sie dir aber den Laden ein. Was glaubst du, warum ist das so ein generationsübergreifendes Ding?“

„Ich stecke ja seit ganz vielen Jahren in der Materie drin und ich beschäftige mich mit dieser ganzen Sache völlig und intensiv und wie du gerade auch schon mit den Labels erwähnt hast, ich glaube, wir haben einfach ein ganz gutes Markenportfolio, mit dem sich die Kids auch ganz gut identifizieren können. Ich versuche natürlich, schon die Sachen anzubieten, die ich gut finde, aber ich kaufe auch Sachen ein, die ich zwar vertreten kann, aber die ich nicht anziehen würde. Aber wenn ich merke, dass die Leute es kaufen, es cool und witzig finden, kann ich mich auch in einen 15-jährigen hineindenken. Ich seh ja, wie die Leute so auf der Straße rumrennen und wenn ich dann ein Label habe, hinter dem ich auch stehen kann, von dem ich meine, das ist eine Philosophie, die kann ich auch vertreten, dann ist das vollkommen okay. Ich achte schon darauf, dass das nicht irgendein Label mit einer beschissenen Message ist. Also so ‚Gangster-boogie-boogie‘ oder so ein Quatsch kommt mir nicht ins Haus, das ist mir zu doof. Hab ich keinen Bock drauf.“

„Vor 15 Jahren warst du wie alt?“

„Ähm, 23. (grinst) Geil, ne? Ich bin schon voll alt.“

„Echt?! Als ich die Frage aufgeschrieben habe, dachte ich wirklich, da hätte noch die Eins davorgestanden.“

„Ja, ist ganz gut ne? Ich komm mir auch nicht vor, wie 38. Das macht auch dieser Laden. Der hält einen jung. Wenn man mit vielen jungen Menschen zu tun hat und man lässt sich drauf ein und versucht auch nicht erwachsen zu werden – ich wehre mich ja krampfhaft dagegen, weil ich glaube das ist genau das, was eben diese Welt so schlecht macht, dass die Leute alle ‚so erwachsen‘ sind. (lacht)“

„Also noch mal zurück: vor 15 Jahren – wie kam es denn überhaupt zu der Idee, einen Skateshop betreiben zu wollen?“

„1998 rief Erik Möller, ein guter Freund und Halfpipe- und Miniramp-Fahrer aus Hamburg an  und meinte ‚ey, habt ihr nicht Bock einen Picknick-Table für die Halle zu kaufen?‘. Da meinte ich ‚ne, haben wir nicht, haben wir kein Geld für (wir waren schon immer knapp bei Kasse – grinst). Aber wieso willst du mir denn überhaupt son Ding verkaufen? Wie kommst du denn darauf?‘ – ‚Ja, ich arbeite doch bei MDCN Distribution, bei Trap, Richie Löffler‘. Kannte ich damals schon, guter Skatebuddy aus Hamburg, von dem ich auch wusste, dass der schon immer irgendwie Business macht mit Trap Skateboards. Man kannte sich auch vom Skaten von früher. Ich habe daraufhin entschlossen, mir einen Gewerbeschein zu holen und verkaufte aus meinem WG-Zimmer heraus die ersten Skateboards und Klamotten usw. Hab das immer mit in die Halle genommen, hatte immer Boards im Kofferraum und Boards bei mir zuhause im Zimmer auf einem Ständer und Klamotten auf einem anderen Ständer. Dann hab ich ja Industriekaufmann gelernt bei Welger, ein Landmaschinenunternehmen. Da wollte ich tatsächlich nicht bleiben, die hätten mich sogar übernommen, obwohl ich da eigentlich überhaupt nicht hingepasst habe. Ich hab während der Ausbildung schon angefangen, bisschen Geld beiseite zu legen, nach meiner Ausbildung habe ich noch ein halbes Jahr dort gearbeitet, hab viel Geld gespart, mir noch ein bisschen was geliehen und hab dann meinen ersten Laden aufgemacht. Und dann ist das so gewachsen, gewachsen, gewachsen, immer weiter. Ich bin immer weiter am Ball geblieben, hab viel Lehrgeld bezahlt, viel falsch gemacht, bestimmt auch ein paar Sachen richtig gemacht, sonst wär ich wahrscheinlich nicht mehr hier nach 15 Jahren (lacht). Das ist in Kurzform die Geschichte, wie es entstanden ist.“

„Und was wärst du geworden, wenn der Plan nicht aufgegangen wäre?“

„Pornodarsteller.“ (lacht)

„Würdest du rückblickend betrachtet irgendwas anders machen?“

„Ja!“

„Pornodarsteller werden?“

„Richtig. Ja, aber das Problem ist, man muss wirklich ein guter Pornodarsteller sein, damit man auch mit hübschen Frauen drehen darf. Da gibt’s ja auch echt schmierige Jobs. Das siehst du dann Menschen, da willste nicht mitmachen. Nein, Spaß beiseite. Ja, es gibt ganz viel, was ich anders machen würde, allerdings glaube ich, dass ein Lernprozess nur funktioniert, wenn man auch Fehler begeht. Wenn man alles richtig macht, ist man perfekt und ich glaub, das steht mir erstens nicht, so ein bisschen Fehler, machen ja auch ganz niedlich (lächelt) und ich denke einfach, man muss Fehler machen, um dazuzulernen. Ich glaube, niemand hat in seinem Business nicht irgendwie und irgendwo Lehrgeld gezahlt. Natürlich sollte es in einem halbwegs guten Level ablaufen, wenn du zu viel Lehrgeld bezahlst, biste wahrscheinlich auch im Arsch.“

„Wie siehst du die Entwicklung der Skateszene in Braunschweig in den letzten Jahren?“

„Die Skateszene in Braunschweig ist super. Wir haben unglaublich große Talente hier. Es gibt z.B. den deutschen Meister der Amateure, der kommt aus Gifhorn, dann der Patrick Rogalski. Der könnte eventuell, wenn er den letzten COS-Cup gewinnt und Alex Mizurov nicht Erster oder Zweiter wird, deutscher Meister werden. Dann haben wir den deutschen Meister der Pro’s und den deutschen Meister der Amateure, die direkt aus unserer Region kommen. Aber es gibt noch andere gute Jungs. Sogar der aktuelle deutsche Scooter-Meister kommt auch aus unserer Halle, obwohl Scooter jetzt nichts mit der Skateszene zu tun hat. Aber immerhin, man erkennt irgendwie, dass hier schon eine Menge passiert und eigentlich ist die Szene auch relativ dicht beisammen. Es gibt andere Städte, da gibt es Kieze oder da gibt es die Skatecrew und die Skatecrew, gibt’s hier bestimmt auch irgendwie, aber eigentlich ist das hier mit der Halle so, dass das alles relativ eng beieinander ist. Und dann haben wir sogar noch ein cooles Verhältnis mit den Fahrradfahrern, klar gibt es da immer mal wieder Reibungspunkte, aber das funktioniert in anderen Städten ganz anders. Die hassen sich. Und wir spielen da zusammen rum und das ist gut. Die Skateszene in Braunschweig ist definitiv eine gesunde, eine gute.“

„Und hat sie sich verändert im Gegensatz zu vor 22 Jahren, als ihr den Verein gegründet habt?“

„Ja, auf jeden Fall. Früher war Skaten insgesamt einfach anders. Da wusste man, wenn irgendein Fahrer nen neues Board bekommt und heute machen die das so im Wochentakt – klack, klack, klack, neue Boards, neue Schuhe, neues Dies, neues Das. Früher sind Skateboardvideos rausgekommen und dann haste dich ein halbes Jahr darüber unterhalten und hast das auch ein halbes Jahr jede Woche einmal mindestens geguckt. Ich glaub, das ist heute alles anders und sehr viel schnelllebiger. Früher hast du einen Skater erkannt. Als ich angefangen habe zu skaten, da bin ich losgerannt, bin in irgendeine Stadt gekommen und habe, wenn  mir ein Skater entgegengekommen ist, ihn definitiv als solchen erkannt, man hat sich gegrüßt und man hat sofort gewusst, im Zweifelsfall kannst du bei dem auch pennen. Das ist, glaube ich, heute auch ein bisschen anders. Es gab auch nicht so viele Leute und die, die es gemacht haben, die waren noch ein bisschen mehr Rock’n‘Roll, als das heute der Fall ist. Das Gefühl hab ich. Wahrscheinlich würden das die Jüngeren anders sehen. Aber das ist auch immer dieser Oldschool-Quatsch, der überall mitspielt.“

„Da schließt sich meine nächste Frage überragend dran an. Vervollständige den Satz: ‚Männer über 30, die skaten, sind…?“

Unglaublich sexy. Leider gehöre ich ja fast nicht mehr dazu, ich rollere ab und zu nur noch so ein bisschen rum, ich skate nicht mehr so viel. Aber es gab ja mal in der Brigitte einen Beitrag von so einer Redakteurin, die da drüber geschrieben hat, dass skatende Männer über 30 doch mal klarkommen sollen, und mal das Spielzeug weglegen sollen. Da ist ein Aufschrei durch die Skateboardwelt gegangen und über der brach ein Shitstorm sondergleichen zusammen. All denen, die dieser Meinung sind, empfehle ich, sich die letzten großen Skateboardvideos anzugucken und alle über 30 zu streichen, dann ist das Skateboardvideo nämlich nur noch halb so lang und auch höchstens halb so gut. Es gibt viele gute Skater über 30. Wie gesagt, ich gehöre leider nicht mehr dazu. (lacht) Ich würde gerne wieder bisschen mehr skaten, aber irgendwie – im Moment spiele ich mehr Tischtennis, wenn ich in der Halle bin. Da ist gerade das Tischtennisfieber ausgebrochen. Aber ab und zu rollere ich ja auch noch ein bisschen rum und ganz aufgehört habe ich auch noch nie. Ausserdem ist das Schöne am Skaten ja auch, dass es gar nicht darum geht, wer wie gut skatet, sondern wieviel Spaß macht es einem. Darum geht’s ja.“

„Was wünscht du dir zu deinem 15-jährigen Shop-Geburtstag?“

„Ich wünsche mir auf jeden Fall einen richtig dicken Umsatz (lacht). Das wäre wünschenswert. Wir haben unglaublich geile Angebote. Wir haben 30% Rabatt auf alle Schuhe und Klamotten. Wer kauft, kriegt nen Gutschein in die Hand von Carhartt und Boardjunkies für nen Burger, kriegt noch nen Gutschein in die Hand für ne Waffel und nen Glühwein von Vans und Boardjunkies, kriegt noch n Gutschein in die Hand für die Hälfte des Eintritts abends auf der Party. Abends auf der Party gibt’s 500 Liter Freibier, 3 Bands, 4 DJs, 1 DJ-Crew, wir haben 2 Areas, wir werden die Halle anders aufteilen als sonst, auf den Partys wird alles n bisschen fetter. Das Ganze wird gefilmt mit mehreren Kameras und für die Ewigkeit festgehalten und ich wünsche mir einfach, dass es ein total geiler Tag wird und ich wünsche mir persönlich, dass ich nicht so ein Stress habe. Ich versuche, mein komplettes organisatorisches Wissen vorher komplett zu entfalten, so dass ich abends auf der Party stehen kann, mitm Bier in der Hand und mir einfach die Reggae-Band angucke und ganz langsam und genüsslich tanze und ein Schluck von meinem Bier nehme und mir denke ‚man, ist das cool hier!‘.“ (lacht)

„Sehr guter Wunsch. Welche sind deine drei persönlichen Highlights der vergangenen 15 Jahre Boardjunkies?“

„Das ist eine schwierige Frage. Was ich total schön fand, war – ich glaube, das war vor drei Jahren –, als mir meine Team-Jungs das Foto überreicht haben, wo wir, nachdem wir den Kinotrailer und –clip gefilmt haben, bei uns in der Scheune saßen. Da ist ein total schönes Bild entstanden, das haben mir die Jungs überreicht, das fand ich ganz schön, weil sie sich da alle bedankt haben dafür, dass ich sie seit Jahren supporte. Das war sehr, sehr schön. Im Allgemeinen ist es immer so, dass wenn man eigene Produkte macht und die auspackt, das ist immer geil. Wir haben gestern zum Beispiel unser Jubiläumsboard bekommen. Christoph Zedler aus Basel, der für ein Kreativbüro arbeitet, hat uns dafür eine geile Graphic gemacht. Das gibt es 100 Mal als normales Board, dann gibt’s noch drei verschiedene Cruiser, jeweils auf 10 Stück limitiert, das ist immer geil, wenn man sich sowas anguckt. Das ist zwar eher ein allgemeines Ding gewesen, aber eigene Sachen gehören auf jeden Fall zu den Highlights. Und was auch absolut ein Highlight ist, ist gerade dieser Longboard-Hype. Damit verdient man mal Geld, das macht richtig Spaß und das ist schon cool, dass man an so einem Trend teilhaben kann, wo man auch dran partizipiert und einfach mal ein bisschen aufatmen kann und sagen kann ‚okay, jetzt haben wir mal wieder die Möglichkeit, was zu machen‘. Wir machen eigene Longboards, haben so viel geplant, es gibt so viele Collabos, die noch ausstehen, wir werden Boards mit Leuten machen, wir haben mit Thunder eine Achse zusammen gemacht, wir werden Wheels mit jemandem zusammen machen, es wird noch ganz viele irre Sachen geben.“

„Du bist mit deinem Shop schon einige Male umgezogen. Wenn man 15 Jahre in die Zukunft gucken wollte, würde man Boardjunkies noch mal eine Nummer größer oder eine zweite Filiale sehen? Was siehst du, wenn du in die Zukunft schaust?“

„Wenn ich in die Zukunft schaue… Ich war eigentlich schon ganz kurz davor, einen Mietvertrag für einen Laden zu unterschreiben, ich wollte eine Herrenboutique aufmachen mit ein paar Firmen, so ein bisschen etwas Selektiveres, die Cherrypicker-Variante sozusagen. Also wirklich nur von 3-4 Labels die Rosinen rauspicken für den Laden und das ganze eher für die Altersklasse 25-45, quasi mein Alter. Das sollte die Zielgruppe werden und nur Herren, weil ich das besser kann, als Frauen, muss ich ganz ehrlich gestehen. Das wollte ich machen. Leider Gottes hat es mit der Location zum Mieten nicht funktioniert, sonst hätte ich da jetzt schon unterschrieben und würde im Februar/März 2015 einen zweiten Laden aufmachen. So war’s geplant. Also, ich habe Bock noch 1-2 Sachen  zu machen, Antrieb gibt es auf jeden Fall. Es wird noch irgendwas passieren, definitiv. Ich werde mich aber auf Braunschweig beschränken. Definitiv will ich kein Imperium aufbauen oder sowas, das ist überhaupt nicht mein Ziel, ich will ja auch nicht nur arbeiten. Ich arbeite eh schon genug und unendlich viel Geld will ich auch nicht verdienen. Geld verdirbt den Charakter, das sieht man immer wieder, wenn man sich mit Leuten unterhält, die Dinge anders verknüpfen. Zu denen möchte ich nicht gehören. Die sind einfach scheisse, die Leute. Da hab ich keinen Bock drauf. Ich will nicht scheisse sein.”

„Das passt ganz gut zu meiner nächsten Frage. Immer, wenn man bei dir am Laden vorbeikommt, wird einem von dir und deinem Team jede Menge positives Lebensgefühl entgegengebracht. Gibt’s da so etwas wie ein Geheimrezept der Boardjunkies?“

„Ok, ich werd’s jetzt verraten.“

„Yess!“

„Wir sind alle Scientologen und treffen uns morgens und tanzen unseren Namen. Ach nee, die hießen ja anders. Das waren die Waldorfschüler. Ok, wir sind alles Waldorfschüler und tanzen morgens den Namen ‚Boardjunkies‘ zusammen und dann schweben die positiven Vibrations in unseren Hirnen und die sind dann bis 19 Uhr verbraucht.“ (lacht)

„Ahhh, zugegeben, die Frage war auch sehr subjektiv gestellt. Aber deswegen empfange ich die so gut, weil ich auch auf der Waldorfschule war.“

„Ja, du kannst mittanzen. Nein, Scherz. Es ist so, dass ich mich irgendwann aktiv dafür entschieden habe, nur mit Freunden und Bekannten zusammenzuarbeiten. Klar ist das mittlerweile schon etwas offener das Prinzip. Da kommt mal irgendwer, der sich bei mir bewirbt, zu dem man relativ schnell einen coolen Draht entwickelt, aber nach wie vor ist es schon meine Devise, mit coolen Jungs zusammenzuarbeiten und das sorgt für ein unglaublich gutes Arbeitsklima und das transportiert auch diese positive Vibrations, die wir den Leuten auf jeden Fall irgendwie vermitteln. Da ist ja nichts aufgesetzt oder so. Das würde ja auch gar nicht funktionieren, wenn ich den Leuten morgens sagen würde ‚ihr müsst heute alle lächeln‘. Die lachen von alleine, weil sie eigentlich die meiste Zeit zumindest ihren Job halbwegs gerne machen. Das ist so ein Grundsatz, der sich irgendwie durchgesetzt hat innerhalb der letzten Jahre.“

„Du hast vorhin schon gesagt, dass du auf keinen Fall zu der Sorte Menschen gehören willst, die durch viel Kohle abgehoben sind und nicht mehr den Boden unter den Füßen spüren. Hast Du so etwas wie ein Lebensmotto?“

„Ja. Forward ever, backward never. Ich habe Lust, was zu machen. Ich teile die Menschen eigentlich nur noch in zwei Kategorien ein. Es gibt für mich nicht Mann/Frau, schwarz/weiß, klein/groß, dick/dünn oder sowas, sondern es gibt die Leute, die etwas machen und es gibt Leute, die nichts machen. Und ich gehöre definitiv zu den Leuten, die was machen, weil ich da einfach total Bock drauf habe, weil das Leben auch viel sinnvoller ist, wenn man aktiv irgendetwas macht, als wenn man nur so vor sich hin lebt, zu den Leuten möchte ich nicht gehören. Später, wenn ich zurückdenke, will ich drüber nachdenken, was ich alles gemacht habe und nicht für wen ich was gearbeitet habe. Man kann ja für wen anderes arbeiten, das ist ja nicht so, dass ich grundsätzlich sage, alle sollen jetzt selbstständig werden und sich verwirklichen, aber man kann ja auch trotzdem, wenn man für jemanden arbeitet, etwas machen. Ich zitiere es immer wieder, eine Studie über das Glücklich sein. Einer der fünf Eckpfeiler in dieser Studie ist ‚Soziales Engagement‘. Und das mach ich ja auch so ein bisschen mit dieser Halle. Ich glaube einfach, es ist total wichtig, etwas zu machen. Ich wäre überhaupt nicht glücklich im Leben, wenn ich nichts machen würde. Dann würde ich mich selber ankotzen.“

„In deinem Leben hat es nicht nur beruflich, sondern auch privat vor dreieinhalb Jahren einige Veränderungen gegeben. Du bist nämlich Vater einer Tochter geworden. Hat sie auch schon eine Meinung zum Skaten?“

„Sie hat auf jeden Fall schon ein Skateboard und fährt da tatsächlich auch ab und zu drauf. Die hockt sich aber eher drauf und rollert so bei uns im Garten mal übern Weg. Ab und zu stellt sie sich mal hin, dann halt ich sie und dann rollen wir zusammen da lang. Wir sind auch schon aufm Board zusammen gefahren, also auf einem von meinen. Da stand sie vorne drauf auf so nem Longboard und ich hab hinten gepushed und dann sind wir die Straße langgefahren. Und ab und zu sagt sie beim Spielen auch schon ‚ich muss jetzt zur Arbeit, ich muss jetzt zu Boardjunkies‘. (lacht) Ja, die muss das hier später deichseln, wenn ich später alt bin. (lacht noch mehr) Irgendwer muss das ja fortführen, das soll ja ein traditionsreiches Familienunternehmen werden.“

„Hat es dich in deinem unternehmerischen Handeln verändert, Vater zu sein?“

„Also, ich kaufe jetzt nicht auf Sicherheit ein oder sowas, weil ich meine, meiner Tochter etwas bieten zu müssen oder was weiß ich. Ich bin jetzt nicht so drauf, dass ich mir denke, ich muss die Zukunft meiner kleinen Ida sichern und muss jetzt jeden Cent umdrehen und darauf achten, was ich tue. Ich mache eigentlich genauso weiter wie vorher, weil ich ja auch glaube, dass das ein ganz guter Weg war, den ich da eingeschlagen habe. Also auf meine kaufmännische Geschichte hat das eigentlich wenig Einfluss. Auf meine private natürlich völlig.“

„Jetzt hast du eine Tochter bekommen. In einem deiner letzten Beiträge in der ‚Druff‘ hast du über skatende Mädels geschrieben. Wie bewertest du denn die Situation zu hier in Braunschweig?“

„Gute Frage. Es gibt so ein paar, die sind am Start, so richtig groß ist die Szene noch nicht, wir sind da auf jeden Fall noch gefragt. Julia, die eine, die sich da aktuell auch mit stark macht, die ich auch in dem Bericht erwähnt habe, die hat auch schon gesagt ‚Marc, ihr müsst uns da mal helfen. Wir brauchen Hilfe. Wir müssen das irgendwie organisieren. Die Mädels wollen da Sachen von mir wissen, die ich kann ich denen gar nicht erzählen‘. Wir müssen da auf jeden Fall noch was machen, wir müssen denen den Rücken stärken, da gibt es eine Menge Nachholbedarf. Die hätten wir schon lange fördern müssen eigentlich, dass das ein bisschen mehr wird. Es gibt viel zu wenige. Das ist schade.“

„Beim Longboard-Hype ist das schon etwas anders, oder?“

„Da gibt’s schon einige mehr. Dieser Longboard-Hype ist ja aber da, weil die Leute es cool finden, Skateboard zu fahren. Und mit den großen, weichen Rollen und mit dem großen Brett viel schneller Lernerfolge haben, als mit so einem normalen kleinen Skateboard. Deswegen fahren so viele Leute überhaupt Longboard, weil das viel einfacher zu erlernen ist. Und da sind natürlich auch ziemlich viele Mädels dabei, die sich z.B. auch diese Penny-Cruiser oder auch ein Longboard kaufen. Die Szene ist wesentlich größer als die, der Mädels, die mit richtigen Skateboards losziehen und Tricks machen.“

„Da kann man ja hoffen, dass das für die Eine oder Andere vielleicht der Zugang dazu wird.“

„Das könnte ein Zugang sein ja.“

„Wir sind fast am Ende. Möchtest du der Blogleserschaft noch etwas mit auf den Weg geben?“

(lacht) „Ich freue mich, dass so viele Leute uns seit Jahren mit ihrer Kaufkraft unterstützen und dafür gesorgt haben, dass wir auch nach 15 Jahren immer noch da sind. Das ist super! Ich hoffe auch, dass die Leute sehen, dass wir nicht diejenigen sind, die einfach nur ‚was absaugen‘ und Geld verdienen, sondern das wir auch was zurückgeben. Wir veranstalten ja eine ganze Menge Events. Da gibt es ja ganz andere, die all das nicht tun, und ich wünsche mir, dass die Leute erkennen, wer auch mal etwas zurückgibt und wer eben nicht. Und da sind wir, denke ich, ganz weit vorne, da können sich einige eine Scheibe davon abschneiden. Ich muss an dieser Stelle betonen, dass ich ohne mein großartiges Team im Laden, im Büro und auf den Boards usw. nicht da wäre, wo ich heute bin. Alleine hätte ich das nie geschafft. Danke Euch dafür! So und alle Leser da draussen: überlegt, wo ihr einkauft, rennt nicht zum Primark! 

„Super! Danke, Marc!“

„Danke auch!“

 «STOP RECORDING»

3 Thoughts on “Marc Hausen

  1. Christoph on 1. Dezember 2014 at 22:50 said:

    cooler Beitrag, cooler Laden, cooler Typ, cooles Jubiläum:
    stay wild and Rock on

  2. Sehr schön!

  3. Pingback: Ahoj, Boardjunkies! - metakognitiva

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