In Column on
9. November 2014

The Berlin Wall

9. November 1989 – 25 Jahre her. Damals war ich gerade 7 Jahre alt. Als im Westen Berlins lebendes Kind bekam ich nicht wirklich viel mit, was auf der anderen Seite der Mauer geschah. Normal erschienen die Grenzüberquerungen, meine Eltern machten nie einen sonderlich großen Bohei daraus, jedenfalls kann ich mich rückblickend nicht an eine übermäßig aufregende Situation erinnern. Sie berichten darüber heute allerdings teilweise anders. Am Abend vor dem 9. November ’89 herrschte eine merkwürdige Stimmung. Man muss dazu wissen, dass mein Bruder und ich damals noch zur Waldorfschule – nahe des Checkpoint Charlie – gingen, dies bedeutete, dass das einzige Fernsehgerät in unserem Haus im Schlafzimmer meiner Eltern stand. Und dieses Gerät wurde gefühlt nie angestellt. Ich bekam mit, dass meine Eltern sich irgendwie anders verhielten, als sonst. Sie tuschelten. Das taten sie nie. Am nächsten Morgen dann das absolute Novum und für mich der Beweis, das irgendwas nicht stimmen konnte: früh um 6.30 Uhr lief der Fernseher! Meine Mom kam aus dem Schlafzimmer und sagte: “Die Mauer ist offen.” Sie war ganz aufgeregt. Papas Stimme kam aus dem Zimmer, nicht unaufgeregter. Wir machten uns für die Schule fertig. Auch in der Schule war alles irgendwie anders. Schüler versammelten sich auf dem Schulhof, die Lehrer liefen aufgeregt hin und her. Später erfuhr ich, dass die Klassen ab dem 3. Jahrgang zum Checkpoint Charlie gegangen waren. Mein Bruder und ich besuchten die 1. und 2. Klasse, so dass wir in der Schule bleiben mussten. Das war ganz schön frustrierend. Meine Erinnerungen an diesen geschichtsträchtigen Tag setzen erst wieder in den frühen Abendstunden ein. Mein Vater kam nach Hause, freudestrahlend und immer noch ganz aufgeregt. Er legte ein blaues Stück Beton auf den Tisch und sagte stolz, dass er das selbst aus der Mauer gehauen habe. Er erzählte uns von den unglaublichen Menschenmassen, die sich gegenseitig umarmten, sich auf die Mauer halfen und anfingen, sie mit allem, was sie dabei hatten, zu zerlegen. Ein paar Tage später zeigte uns mein Vater die Fotos, die er geschossen hatte.

In meinen Erinnerungen ist nicht viel, was aus der Zeit hängengeblieben ist. Das liegt auch daran, dass ich damals noch so jung war. Was für andere sicher prägsam war, war für mich nie vorhanden. Das Gefühl einer Trennung, einer Mauer.

Wie ist es Euch an dem Tag ergangen? Habt Ihr noch Erinnerungen daran? Seid Ihr selbst vor 25 Jahren an der Mauer gewesen? Ich würde mich freuen, wenn Ihr mir von Euren Geschichten erzählen würdet!

Uns allen wünsche ich heute einen wunderschönen Tag! xx

Foto: Steinbach, „Berliner Mauer“, CC-Lizenz (BY 2.0)
http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de
Das Bild stammt aus der kostenlosen Bilddatenbank www.piqs.de
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